Brandenburgisches Glas

Emailbemalte Gläser des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Brandenburg

Die Veredelung mit Email wurde bereits in der ersten brandenburgische Glashütte in Grimnitz im ausgehenden 16. Jahrhundert praktiziert. Die Technik war sehr anspruchsvoll. Emailfarben bestehen aus niedrig schmelzendem, fein zermahlenem, farblosem Glas, dem färbende Metalloxide oder -salze beigemengt werden. Man unterscheidet transparente und opake Farben. Mit einem Pinsel werden sie als Glasfluss, also nach dem Erhitzen, auf das fertig geformte Gefäß aufgetragen. Anschließend müssen die Farben eingebrannt und so dauerhaft gemacht werden. Bei 800 °C bis 850 °C verschmilzt die Glasschicht mit der Glasoberfläche. Bis in die 1670er Jahre wurde das Gefäß ein zweites Mal in das Feuer oder über die Schmelze in die Hitze des Ofenlochs gehalten. Viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl war bei diesem Arbeitsschritt nötig, denn es bestand die Gefahr einer Verformung des Glaskörpers unter erneuter Hitzeeinwirkung. Danach konnte mit Einführung des Einbrennofens, auch Muffelofen genannt, das Email bereits bei Temperaturen um 500 °C eingeschmolzen werden. 

Emailbemalte Glasgefäße aus Brandenburg sind überaus rar. Lediglich ein Exemplar aus dem 16. Jahrhundert und nur wenige aus dem 17. Jahrhundert sind gesichert überliefert. Zum Themenkreis zählen überwiegend Herrschaftsinsignien und Wappen auf Humpen oder Vierkantflaschen sowie mit Ornament verzierte Beschriftungen auf Arzneigläsern. Die Qualität der Malerei variiert, jedoch lassen sich einige charakteristische Merkmale für eine Zuschreibung an die Grimnitzer Hütte ausmachen, etwa eine lichtgrüne Glasfarbe, die sorgfältige Binnenzeichnung in Schwarz, der maisgelbe Opakemailton und bei Humpen die enge Liniensetzung am Standring. Robert Schmidt streicht als Eigenheiten der Marienwalder Emailgläser die Unreinheit ihrer Glasmasse und eingebranntes Blattgold mit schwarzer Binnenzeichnung in den Wappendarstellungen heraus (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 18). Die Veredelung durch Emailmalerei wurde ab 1678 auch für wenige Jahre am Standort Drewitz der Potsdamer Glashütte ausgeübt. Im 18. Jahrhundert trat die Technik in den Hintergrund und man nutzte sie überwiegend nur noch für aufwendig beschriftete Apotheker-, volkstümliche Gebrauchs- und Porzellangläser, so in den Hütten Altglobsow und Neuglobsow am Stechlinsee. 

2018-12-13

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