Brandenburgisches Glas

Der brandenburgische Glasschnitt im 17. und 18. Jahrhundert

Die Glasveredelung durch den Schnitt war insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert beliebt. Mithilfe von Kupferrädern verschiedener Größe (Stecknadelkopf bis sechs Zentimeter Durchmesser) und einer Ölschmirgelmischung arbeitete der Glasschneider angezeichnete Dekore in Tief- oder Hochschnitt heraus. Beim Tiefschnitt wurde der Dekor in die Glasoberfläche eingeschnitten, beim Hochschnitt blieb der Dekor als erhabenes Relief stehen, während die Wandung herum weggeschnitten wurde. Anschließend konnte der matt erscheinende Schnitt mit Lappen aus Holz, Kork oder Leder poliert werden. In einem zusätzlichen Schritt wurde der Schnitt mancher Gläser zudem mit einer Vergoldung versehen.

Exquisit geschnittene Becher und Pokale bezeugen die hervorragende Qualität der Berlin-Brandenburgischen Glasmacherkunst im 17. und 18. Jahrhundert. Zu den mit Abstand häufigsten geschnittenen Motiven zählen Herrschaftszeichen und Bildnisse. Zudem finden sich auf zahlreichen Gläser märkische Adelswappen, Wappen hochrangiger Diplomaten, geistlicher Würdenträger und natürlich die kurfürstlichen und königlichen Wappen der Hohenzollern. Allianzwappen geben dynastisch-diplomatische Verbindungen wieder. 

Die besten Glasschneider aus Europa kamen auf Anregung des Großen Kurfürsten und seiner Thronfolger in die Residenzstädte Potsdam und Berlin. Auf dem Friedrichswerder beim Berliner Schloss führten Martin Winter (um 1640–1702) und sein Neffe Gottfried Spiller (um 1663–vor 1728) ihre Werkstatt. Sie setzten überregional neue Trends im Glasschnitt. Dabei kamen ihnen die einfache Form und dicke Wandung der Rohgläser mit ihren breiten Fußplatten, kräftigen Balusterschäften und hochaufgebauten Deckeln entgegen. 1706 besaß die Berliner Glasschneiderinnung bereits 14 Mitglieder. Die Meister Elias Rosbach (um 1700–1765) zugeschriebenen Gläser mit mythologischen Szenen stellen ihn als zentrale Gestalt des brandenburgisch-preußischen Glasschnitts in den Spätjahren der Potsdamer Hütte in Berlin und ab 1741 an der Zechliner Hütte heraus.

Neben der Potsdamer Glashütte und ihrer Nachfolgemanufaktur in Zechlin geben die Quellen Anhaltspunkte dafür, dass auch an den Standorten in Grimnitz, Marienwalde und für kurze Zeit in Pinnow mit Schnitt veredelt wurde. Später soll die Hütte in Tornow – hier zudem mit Vergoldung – Schnittgläser hergestellt haben. Zweifelsfrei an eine dieser Manufakturen zuschreiben lassen sich bislang keine überlieferten Arbeiten. Robert Schmidt bildet einen Abendmahlskelch mit Schnittdekor aus Marienwalde ab (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 8), der heute verloren ist. 

2018-12-10

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