Brandenburgisches Glas

Brandenburgisches Glas. Produktionsvielfalt vom 16. bis zum 18. Jahrhundert

Das Themenportal dokumentiert und klassifiziert alle brandenburgischen Glasprodukte der Barockzeit, die in öffentlichen und privaten Sammlungen überdauert haben.

Die erste Glashütte Brandenburgs gründete Kurfürst Johann Georg 1575 in Grimnitz bei Joachimsthal. Insgesamt sieben Hütten vor Ort sind nachgewiesen. Scheiben- und Hohlglas, in erster Linie Gebrauchsglas, aber auch emailbemalte Flaschen und Humpen wurden hier gefertigt. Eine ähnliche Produktionsvielfalt weist die Hütte in Marienwalde als zweite kurfürstliche Gründung auf. Von beiden Standorten sind nur wenige Gläser überliefert, die in direktem Bezug zu einem höfischen Auftrag stehen. Gläserne Waren für den Alltagsgebrauch aus späterer brandenburgischer Herstellung sind hingegen in zahlreichen Beispielen erhalten, auch wenn die Zuschreibung an eine bestimmte Hütte heute schwerfällt.

Eine neue Hofglashütte gründete Kurfürst Friedrich Wilhelm 1674 einige Kilometer entfernt von Potsdam im Wald der Parforceheide von Drewitz. Wenig später ergänzte die Hütte auf dem Hakendamm den Manufakturstandort nahe der Residenzstadt. Die Potsdamer Glashütte beschäftigte in erster Linie Glasmeister aus anderen Kurfürstentümern und aus dem Ausland. 1678 gelang es dem mittlerweile als „Großer“ Kurfürst bekannten Regenten, den Alchemisten Johann Kunckel vom sächsischen Hof abzuwerben. Ihm übertrug er die Leitung der beiden Potsdamer Glashütten. Ab diesem Zeitpunkt begann eine kurze, aber umso nachhaltiger wirkende Blütezeit der lokalen Glasproduktion.

Eine Verbesserung der Glasqualität durch einen höheren Kalkzusatz wies das wesentlich reinere Kunckelsche Kristall- oder Kreideglas auf. Das dem kostbaren Bergkristall in Klarheit und Härte annähernd ebenbürtige Material ermöglichte in seiner Beschaffenheit einen ausdrucksvollen Hoch- und Tiefschnitt. Dickwandige Becher und trichterförmige Pokale mit breiten Fußplatten, kräftigen Balustern, Spitzblatt- und Kugelfries, meisterhaft veredelt mit Wappen, Bildnissen, Devisen oder mythologischen Themen, wurden typisch für die Potsdamer Glashütte. Mit der Neuerfindung des Goldrubinglases war Potsdam um ein Alleinstellungsmerkmal reicher. Nach dem Tod des Kurfürsten erlebte die Potsdamer Hütte eine kurze Zeit der Stagnation. Johann Kunckel musste seinen Abschied nehmen und erst die Krönung von Kurfürst Friedrich III. zum ersten König in Preußen setzte 1701 neue Impulse. Dessen Sohn, König Friedrich Wilhelm I., verlegte die Hofglashütte nach Zechlin im Norden Brandenburgs. Die dortige Weiße Hütte hatte ab 1737 das Monopol für die Herstellung von Goldrubin- und Kristallglas. Berühmt wurde sie für dessen gute und reichliche Vergoldung. Zeitgleich produzierten Neugründungen, etwa die Hütten in Baruth, Chorin, Tornow oder Lotzen und wenig später in Basdorf oder Globsow eine große Menge Tafel-, Hohl- und Bouteillenglas aus einfachem Farb- und Waldglas, mitunter aber auch aus Kreideglas.

Brandenburgische Gläser gelangten im Laufe der Jahrhunderte in zahlreiche öffentliche und private Sammlungen. Die meisten von ihnen sind derzeit nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglich. Ziel dieses Themenportals ist es, alle bekannten und unbekannten Produkte brandenburgischer Glashütten des 16. bis 18. Jahrhunderts zu klassifizieren und digital an einem Ort sichtbar zu machen. Die Bestandsaufnahme über viele Sammlungen hinweg ermöglicht es, zeitgenössische Sortimente, prägnante Stilarten und individuelle Handschriften der Manufakturen und Meister zu dokumentieren. Alle Objektinformationen werden von uns geprüft, gegebenenfalls korrigiert oder erweitert und erst dann in Absprache mit dem jeweiligen Eigentümer online gestellt. Detaillierte Kenntnisse über die Provenienz von Objekten, Publikationshistoriographie, Zustand, Restaurationsmaßnahmen, chemische Analysen etc. lassen sich aufnehmen. Unsere Hoffnung ist, dass so langfristig alle für die Glasforschung relevanten Disziplinen von diesem Themenportal profitieren können. Das von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) in Zusammenarbeit mit dem Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte initiierte Projekt entstand im Anschluss an die 2017 ausgerichtete Ausstellung „Gläserne Welten. Potsdamer Glasmacher schneiden Geschichte“ und ist über mehrere Jahre hinweg angelegt. Dank einer Förderung der 2013 als Themenfonds in die Stiftung „pro Sanssouci“ aufgegangenen Stiftung „Glasbrücke Berlin – Stiftung für europäische Glaskunst“ konnte der Beginn des Vorhabens mit der Glasexpertin Dr. Verena Wasmuth zügig in die Tat umgesetzt werden. Zahlreiche Partner sind schon jetzt mit ihren Gläsern bei dem Projekt dabei (s. Impressum), und wir danken unseren Kolleginnen und Kollegen der Pilotphase vom Glasmuseum Hentrich in Düsseldorf, der Stiftung Stadtmuseum Berlin und dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) für ihr uns entgegen gebrachtes Vertrauen. Freuen Sie sich auf viele weitere Einblicke in öffentliche und private Glassammlungen!

2018-12-17

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Walzenförmiger Krug aus dunkelrotem, massivem Goldrubinglas mit angeschmolzenem Henkel. Auf der Wandung über einem Rundbodenfries in poliertem Schliff und Tiefschnitt sind Putti als ...

Humpen aus farblosem, grünstichigem Glas, umgelegter Faden als Standring, Boden eingewölbt. Deckel nicht zugehörig. In farbiger Emailmalerei der Kurfürst zu Brandenburg zu Pferde. Auf ...

Deckelpokal aus farblosem Glas, gewölbter Fuß, facettierter Balusterschaft mit eingestochener Luftblase, konische Kuppa, nicht ursprünglich zugehöriger Deckel. Auf der Wandung ...

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Flakon aus farblosem Glas mit zugehörigem Stöpsel, flachgeschliffener Boden mit großer Bodenkugel. Die gesamte zur Mitte gekehlte Wandung ist 16-fach facettiert und geht am Mündungsrand ...

Flakon aus farblosem Glas mit Stöpsel, flachgeschliffener Boden mit großer Bodenkugel. Die gesamte zur Mitte gekehlte Wandung ist 16-fach facettiert und geht am Mündungsrand in Zellen ...

Deckelgefäß aus farblosem Glas, flachgeschliffener Boden mit großer Bodenkugel. Die gesamte zur Mitte gekehlte Wandung ist 16-fach facettiert, die in Rundbögen auslaufenden ...

Oktogonales Tablett aus farblosem Glas mit hochgezogenem, vergoldetem Rand, flachgeschliffener Boden mit großer Bodenkugel. Dieses Tablett gehört zu einer Plat de Ménage (Plattmenage), ...

Fußschale aus farblosem Glas, breiter, leicht ansteigender Glockenfuß der von unten konzentrisch mit Oliven und Kerben beschliffen ist. Der massive Rundbalusterschaft mit Kehlschliff ist ...

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Sogenannte "Kanone" aus farblosem Glas mit rundgestauchtem, massivem Fuß. Auf der konischen Wandung die geschnittene und vergoldete Darstellung eines aufgerichteten Bären mit Krone und ...

Pokal aus farblosem Glas, durchweg exquisit vergoldet, ansteigender Fuß mit doppeltem Rundbogenfries, der Schaft als glatte, lange Säule mit facettiertem Baluster, am bauchigen Ansatz der ...

Konischer Becher aus dickwandigem, farblosem Glas mit gestauchtem Standring. Auf der Schauseite das fein geschnittene Spiegelmonogramm "CEF" unter Grafenkrone zwischen Palmwedeln. Im oberen ...

Konischer Becher aus dünnwandigem, farblosem Glas mit ausgestelltem, flachen Fußrand, der Abriss ausgekugelt und mit einer großen, 12-blättrigen Blume überschnitten, wohl einer Dahlie. ...