Brandenburgisches Glas

Sturzbecher aus Goldrubinglas mit Mönchsbüste

Leicht glockenförmig geschwungene Becherwandung. An den Boden angeschmolzen der massiv gegossene und als Sockel gestaltete Schaft mit der formgeblasenen massiven Büste eines Mönchs, dessen Gesicht, Tonsur und Kutte nachgeschnitten wurden. Dieser Sturzbecher aus Goldrubinglas ist mit einem Nonnenbüsten-Pendant als Paar konzipiert, ebenfalls im Bestand der SPSG (Inv. Nr. XIII 729). Scherzgläser wie dieses kunstvoll gearbeitete Sturzglas, das nur auf dem Kopf stehend geleert und nicht abgesetzt werden konnte, mokierten ganz unzweideutig den Klerus. Die höfische Tischgesellschaft liebte derartige amüsante Trinkgefäße, die das Ritual des gemeinsamen Mahls auflockerten und zudem überaus dekorativ waren. Rubingläser als Mönch und Nonne befanden sich laut Inventarbuch 1738 in Schloss Monbijou (vgl. Schmidt, Brandenburgisches Glas, 1914, S. 65). Ein nahezu identisches Glas besitzt die Stiftung Stadtmuseum Berlin (Inv. Nr. II 60/209 A). Vergleichsstücke aus farblosem Glas mit veredeltem Mündungsrand finden sich im Bayerischen Nationalmuseum München (Inv. Nr. 63/19), in der Stiftung Stadtmuseum Berlin (Inv. Nr. II 62/542) sowie im Berliner Kunstgewerbemuseum (Inv. Nr. W-1971-71 und W-1971-72). Gemeinsam mit seinem Gegenstück wurde das Glas 1977 aus dem Kunsthandel angekauft. [Verena Wasmuth]

(Objekt aus: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Originaleintrag)

Material/Technik ...

Goldrubinglas / in Hilfsmodel geblasen, gegossen, formgeblasen, angeschmolzen, geschnitten

Maße ...

Höhe: 18.00 cm; Durchmesser (unten): 9.20 cm