Machtfragen

Amtslade der Gürtler zu Hannover

Die Amtslade gehörte den Gürtlern (metallverarbeitendes Kunsthandwerk) zu Hannover. Sie ist aus Eichen- und Tannenholz gearbeitet, mit Nussbaumholz furniert und steht auf vier gedrechselten Füßen aus Nussbaumholz. Rundherum sind sechs schmale Messingschilder angebracht, in die jeweils die Jahreszahl 1710 und ein Name eingraviert sind: Jobst Heinrich Meyer, Johann Hennich Ruhlich, Ludolf Herman Remler, Erich Holling, Johann Georg Schultz und Brandt Jobst Brenner. Unten in der vorderen Langseite eine Schieblade mit zwei Messingknöpfen; auch sie kann nur geöffnet werden, wenn die Lade aufgeschlossen ist. An den beiden Schmalseiten ist jeweils ein beweglicher Messinggriff befestigt.
Die Lade wurde mit zwei Schlüsseln geöffnet und geschlossen – es befindet sich je ein Schloss an jeder Langseite. Beide bedienen den innenliegenden, in zwei der Ecken angebrachten Fallriegelmechanismus. Der Deckel ist auf den Korpus aufgelegt und kann nur abgehoben werden, wenn beide Schlösser aufgeschlossen sind. Die doppelte Sicherung weist auf die Bedeutung des Inhalts hin, denn Amtsladen enthielten beispielsweise Siegel, wichtige Urkunden und Dokumente sowie auch Vermögen. Neben dieser Funktion als Aufbewahrungsort, hatten die Laden aber auch zeremonielle Bedeutung bei den Mitgliederversammlungen. Amtsladen befanden sich folglich im Besitz jeder Vereinigung.

Zünfte, Gilden und Ämter entstanden im Mittelalter als lokale oder regionale Organisationen der Handwerkerschaft. Die Ausübung eines Gewerbes setzte auch in Hannover die Mitgliedschaft in einer der hier zumeist in der Tradition der Hanse Ämter genannten Vereinigungen voraus. Dieser ‚Zunftzwang‘ diente der Qualitätssicherung der Produkte, erlaubte jedoch zugleich strikte Kontrolle über den Zugang zur Profession. Außerdem entstand ein starres Wirtschaftssystem, das Konkurrenz durch Betriebsneugründungen und Innovation hemmte. Es blieb bis ins späte 19. Jahrhundert stark in alten Traditionen und Werten verwurzelt.

In Hannover erlangten die Ämter durch Entsendung von Vertretern in den städtischen Rat außerdem erheblichen politischen Einfluss. Während dieser Einfluss gegen Ende des 17. Jahrhunderts schwand, hielt die wirtschaftliche Dominanz der Ämter bis zur endgültigen Aufhebung des Zunftzwangs im Jahr 1867 an. Mit der Verfassung des norddeutschen Bundes wurde die Gewerbefreiheit eingeführt.
[EH]

(Object from: Historisches Museum Hannover Original entry)

Material /Technique ...

Eichen-, Tannen- und Nussbaumholz, Messing, Papier

Measurements ...

Länge: 57 cm, Höhe: 43,5 cm, Breite: 38 cm

Created ...

... When:1710

... Where:Germany 

Was used ...

... Who:

... When:Since 1710

... Where:Hanover 

[Relation to person or institution] ...