Hannover und der Deutsch-Französische Krieg

Patriotische Gefühle!?

Zwangsläufig waren Kriegsausbruch und –verlauf mit großen Emotionen verbunden. Die nationale Aufwallung zu Beginn des Krieges, der als gerechter Verteidigungskrieg empfunden wurde, fand eine Steigerung im unverhofften Sieg bei Sedan und der Gefangennahme Napoleons III. und kulminierte schließlich in der Gründung des 2. Kaiserreiches am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles. Befeuert wurde dieses nationale Hochgefühl durch die regelmäßigen Depeschen aus dem Hauptquartier ebenso wie durch die Presseberichterstattung. Demgegenüber standen die Angst um die Männer im Feld und mit zunehmender Dauer auch eine unverkennbare Kriegsmüdigkeit, nicht zuletzt bei den Soldaten selbst, wie die damals noch nicht so rigoros zensierte Feldpostbriefe erkennen lassen. Und nicht zuletzt war da die Trauer um die Gefallenen, deren Tod oftmals nicht nur persönliches Leid, sondern auch soziale Notlage bedeutete.

Die Objekte in der Sammlung des Historischen Museums Hannover dokumentieren fast ausschließlich die nationale Begeisterung und die Freude über den siegreichen Kriegsverlauf. Äußerst spärlich sind Belege, die auch einmal den Alltag der Soldaten erhellen oder sogar ein Schlaglicht auf die Folgen des Krieges für die französische Zivilbevölkerung werfen. Für die Vorgänge in der Stadt Hannover gilt, dass die weiterhin bestehende Ablehnung Preußens durch einen Teil der Bevölkerung, der sich etwa in der demonstrativen Nichtbeteiligung an patriotischen Feier äußerte, nur durch einzelne schriftliche Zeugnisse belegt ist. Die Museumssammlung spiegelt nur den Stolz bei der Heimkehr der siegreichen Truppen.

2020-07-23

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