Hannover und der Deutsch-Französische Krieg

Hannover als Lazarettstadt

Als Standort des Generalkommandos des X. Armeekorps und Garnison verschiedener Regimenter spielte Hannover natürlich eine Rolle bei der Versorgung der kämpfenden Truppe sowohl mit Material wie auch mit Ersatzmannschaften. Schon kurz nach Ausbruch des Krieges wurden hier aber auch mehrere Reservelazarette eingerichtet, denn die Kämpfe an der Front waren äußerst verlustreich.

Sehr schnell wurden Sammlungen von Hilfsgeldern organisiert, die verwundeten Soldaten, aber auch den Hinterbliebenen von Gefallenen helfen sollten. An ihrer Spitze standen in der Regel kommunale oder staatliche Beamte und in der Regel eher den Preußen zugeneigte Vertreter der örtlichen Oberschicht. Daneben eröffnete sich für die direkte Arbeit mit verwundeten und erkrankten Soldaten ein breites Betätigungsfeld. Einerseits waren hier männliche Freiwillige tätig, die sich zum Dienst in Sanitätskolonnen meldeten. Andererseits entstand aber auch ein neues Aufgabenfeld für Frauen. Über den Hannoverschen Frauenverein, die Ortsgruppe des Vaterländischen Frauenvereins, wurden Damen aus bürgerlichen und adeligen Kreisen angeworben, die helfend im Lazarettdienst tätig waren. In einem Schreiben des Hannoverschen Frauenvereins hieß es dazu rückblickend „Die Stellung und der Beruf der Frau im Lazareth und am Krankenbett war in der hiesigen Provinz nur wenig bekannt…“. Insofern barg diese ehrenamtliche Tätigkeit nicht nur mildtätige, sondern auch gewisse emanzipatorische Aspekte. Mit den Verwundeten war aber auch die Realität des Krieges nach Hannover gekommen.

Die Neue Hannoversche Zeitung schilderte am 24.08.1870 den Weg von Verwundeten aus der Schlacht von Mars la Tour vom Hauptbahnhof zum Lazarett: „Ernst und schweigend schritt der Zug der Leichtverwundeten den beiden Fuhrwerken (Droschke und Möbelwagen) voraus, worin die Schwerverwundeten in sitzender oder liegender Stellung befördert wurden. Theilnahmslos blickten sie auf die Menge, an der ihr Weg vorüberführte, mit fast lautloser Stimme beantworteten sie die an sie gerichteten Fragen. Schleppend war der Gang des Einen, ein Anderer hinkte, der hatte den Kopf umwickelt und der trug den Arm in einer von Eiter durchfeuchteten Binde.“

2020-07-23

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