Hannover und der Deutsch-Französische Krieg

Blickpunkt Hannover

Betrachtet man die Verbindung Hannovers zum Kriegsgeschehen, so kristallisieren sich vier Schwerpunkte heraus. Die Stadt war Sitz des Generalkommandos des X. Armeekorps und eine wichtige Garnison, deren Soldaten sofort für den Krieg mobilisiert wurden. Darüber hinaus war Hannover ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, zumal in einem Konflikt, in dem erstmals die Eisenbahn eine entscheidende Rolle spielte. Hannover war aber auch Lazarettstadt und nicht zuletzt Hauptstadt einer preußischen Provinz, die noch wenige Jahre zuvor das Königreich Hannover gewesen war. Die preußische Annexion 1866 war in weiten Teilen der Bevölkerung noch lange nicht vergessen.

Am Abend des 15.07.1870 unterrichtete der Landrat v. Leipziger im Vergnügungslokal „Tivoli“ das Publikum von der bevorstehenden Kriegserklärung Frankreichs an Preußen. „Sofort erhob sich ein tausendstimmiger Jubelruf, viermal mußte die Capelle die Nationalhymne spielen“, berichtete die Neue Hannoversche Zeitung. Die Menge begab sich alsdann unter Mitnahme der Musiker zum Café Robby (heute Café Kröpcke) und zog von dort unter Gesang zum Haus des Kommandierenden Generals des X. Armeekorps und anschließend zum Leineschloss, wo Oberpräsident Graf Stolberg „eine kurze, echt deutsche Ansprache“ hielt.

Angesichts der Ressentiments, die vier Jahre nach der Okkupation Hannovers in den welfentreuen Bevölkerungskreisen noch herrschten, ein ungewöhnlich emotionaler Ausbruch, selbst wenn man gewisse Übertreibungen der Zeitung in Rechnung stellt. Die Obrigkeit jedenfalls blieb vorsichtig. Auch wenn die Menge mehrfach das Lied „Ich ein Preuße“ gesungen hatte, die Provinz Hannover wurde dennoch am 22. Juli unter Kriegsrecht gestellt, um nötigenfalls gegen die Opposition durchgreifen zu können.

2020-07-22

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