Brandenburger Fotografinnen und Fotografen

Johannes Georgi

 

Am 14. Dezember 1888 wird Johannes Georgi als Sohn des Lehrers Johannes Georgi (1861-1945) in Frankfurt am Main geboren. Er studiert Mathematik und Physik in Göttingen, besucht 1909 Seminare von Albert Einstein in Zürich und trifft 1910 in der Universität Marburg auf Alfred Wegener, mit dem ihn Forschungsprojekte und eine lebenslange Freundschaft verbinden werden. Im Ersten Weltkrieg arbeitet Georgi beim Wetterdienst der Kaiserlichen Marine als Meteorologe. 1919 folgt die Anstellung bei der Deutschen Seewarte Hamburg unter der Leitung von Wegener. Georgi unternimmt mehrere Forschungsreisen in die Polarregion und ist einer der ersten Beobachter des Jetstreams. Bei der großen Grönlandexpedition im Jahr 1930, bei der Alfred Wegener zu Tode kommt, ist Georgi Leiter der Forschungsstation „Eismitte“. Er übernimmt die fotografische Dokumentation der Expedition. Danach arbeitet Georgi wieder in der Seewarte Hamburg. Seine Versuche, die Grönlandexpeditionen fortzuführen, bleiben erfolglos. Am 24. Mai 1972 stirbt Johannes Georgi in Hamburg. 

Die Besonderheit in Georgis fotografischer Arbeit liegt in den widrigen Umständen, unter denen sie entstand. Wie schon unter Fototechnik und Verfahren beschrieben, waren die analoge Fotografie und die Handhabung von Chemikalien zur Entwicklung von belichteten Negativen diffizile Angelegenheiten. Was aber Fotografieren unter den extremen Bedingungen polarer Kälte und auf 3000 Höhenmetern bedeutet, schildert Johannes Georgi anschaulich im Textbuch des Leporellos zu Alfred Wegeners letzter Grönlandexpedition.

„Die Entwicklung erfolgte z.T. in der Firnhöhle von Eismitte bei Raumtemperatur von etwa -10°C. Besonders schwierig war das Trocknen der Platten und Planfilme über dem Primuskocher. Dauerte es zu lange, so bildeten sich Bakterienkolonien in der Gelatine (...). Wurden die Platten zu warm, so konnte die Schicht sich verziehen oder sogar abschwimmen (...). Auch Rentierhaare gerieten beim Einlegen im Dunkelsack in die Kassetten; kurz es gab kein Unheil, das nicht eingetreten wäre.“
(Aus: Textbuch/Leporello „Vorbemerkung zu Georgi's Photos von Alfred Wegeners letzter Grönland-Expedition 1930/31“) 

"(...) es ist beim Photographieren besonders schwierig, immer im rechten Augenblick richtig warmes und auch genügendes Wasser zu haben; alles muß ja geschmolzen werden. Wenn ich anfangen will zu entwickeln, muß ich Wasser dafür schmelzen und ebenso fürs Wässern. Das Fixierbad, in einer Zweiliter-Flasche gefroren, muß aufgetaut werden, was ein paar Stunden dauert. Und dann müssen mindestens 4 Liter Wasser fürs Wässern von einem Dutzend (Plan-) Filmen bereitstehen. Ferner habe ich gefunden, daß die Filme nicht frieren dürfen; die Schicht wird durch die Eisblumen beschädigt. Also muß man sich so einrichten, daß alles am Tage fertig wird." 

"(…) Gestern schwarzer, schwärzester Tag! Nach wochenlangen Vorbereitungen, Umbau von Apparaten (...) gestern früh angefangen, Photoplatten zu entwickeln, 24 Stück zugleich. Alle Bäder mit Thermometer auf richtige Temperatur gebracht, ungeheure Arbeit von 10 bis 17 Uhr, bis dann die Bilder erschienen, prachtvolle Aufnahmen‚ (...) darunter Wegener bei seinem (letzten) Besuch neulich (...) Und beim Trocknen schwimmen sie mir fast alle weg, und die paar geretteten durch Eisblumen verdorben! Zum Heulen!"
(Aus: Textbuch/Leporello, Beschreibung zu Bild 24. Die hier aufgeführten Passagen sind wiederum Eigenzitate aus: Johannes Georgi, „Im Eis vergraben“, München, 1933-38 und Leipzig, 1955/57) 

Aperçue zur Fotografie unter Extrembedingungen: Die auf Bild 28, „Der wissenschaftliche Arbeitsplatz in der Firnhöhle im Winter 1930/31“, zu sehende Petroleumlampe wurde von Georgi aus Konservendosen und „verunglückten, abgewaschenen Photoplatten“ gefertigt. 

2019-01-10

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