Der Große Kurfürst

Flotte und Handel

Beeindruckt von dem Vorbild der Republik der Vereinigten Niederlande als Welthandelsmacht mit weitreichender Kolonialpolitik sowie durch die Erfolge der überragenden Seemächte Spanien und Schweden war für Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg der Ausbau der kurbrandenburgischen Flotte ein wichtiges Ziel. Eine eigene Produktion von Kriegsschiffen konnte erst ab 1657 im preußischen Pillau umgesetzt werden, nachdem der Kurfürst die Souveränität in Preußen erlangt hatte. Zusätzlich wurden Schiffe in den Niederlanden erworben und eine Flotte vom niederländischen Kaufmann Benjamin Raulé (1634-1707) gemietet, die später angekauft wurde. Die kurbrandenburgische Flotte reichte für eine direkte militärische Konfrontation mit anderen Seemächten jedoch nicht aus. Daher versuchte der Kurfürst, durch kleinere Angriffe auf die spanische und schwedische Flotte, seine Macht auf See zu demonstrieren. Am 18. September 1680 kaperten seine Schiffe beispielsweise das spanische Handelsschiff „Carolus Secundus“ in der Ostsee. Schließlich ließ der Kurfürst in den 1680er Jahren in Berlin und Havelberg Werften anlegen, in denen mit Hilfe niederländischer Schiffbaumeister Schiffe für die kurbrandenburgische Flotte hergestellt werden konnten.

1682 rief Kurfürst Friedrich Wilhelm mit der Unterstützung Benjamin Raulés, der zunächst zum brandenburgischen Schiffdirektor, später zum Generaldirektor der Marine ernannt wurde, eine Handelsgesellschaft nach niederländischem Vorbild ins Leben: die Brandenburgisch Afrikanische Compagnie. Damit plante er, Kurbrandenburg als Handelsmacht auch im Überseehandel zu etablieren. So gründete er mehrere Handelsstützpunkte an der afrikanischen Westküste, wo die dortigen Herrscher ihm das Handelsmonopol zusicherten. Die Verschiffung von Sklaven, Gold und Elfenbein versprach dem Kurfürsten große Profite. Obwohl der erhoffte Reichtum langfristig ausblieb, schien der Kurfürst mit seinen Bemühungen zufrieden gewesen zu sein.

Der Machtbereich dieser Stützpunkte, beispielsweise der Festung Großfriedrichsburg im heutigen Ghana, reichte jedoch nicht weit über ihre Festungsmauern hinaus. Diese Handelsniederlassungen lassen sich daher nicht mit späteren Kolonien des deutschen Kaiserreichs vergleichen.

2020-04-15

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