Anton Graff - Meisterporträts in Original, Kopie, Druck

Der Augsburger Stecher Johann Elias Haid

Neben dem Leipziger Johann Friedrich Bause stand Graff von den Kupferstechern seiner Generation der Augsburger Johann Elias Haid (1739-1809) besonders nahe. Die freie Reichstadt Augsburg mit ihrer Kunstakademie war im 17. und 18. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum der Malerei; auf dem Gebiet des Kupferstichs war die Stadt mit der Tätigkeit der Familien Kilian (16.-18. Jh.) und Haid (18. Jh.) sowie der Maler-Stecher-Verlegerfamilien Rugendas und Ridinger neben Nürnberg gar führend in Deutschland.
Johann Elias Haid war der älteste Sohn des Malers, Stechers und Verlegers Johann Jacob Haid, bei dem Anton Graff 1756/57 die bei Johann Ulrich Schellenberg in seiner Heimatstadt Winterthur begonnene Ausbildung fortsetzte und in dessen Umfeld er ab 1759 einige Jahre tätig war.
Johann Elias Haid übernahm von seinem Vater die Technik der Schabkunst und die Spezialisierung auf die Porträtgrafik, auch führte er dessen Verlag weiter. Haid war seit Graffs Augsburger Jahren mit diesem befreundet und setzte nicht nur ein Porträt seines Vaters und vieler weiterer Augsburger und Regensburger Persönlichkeiten von der Hand Graffs in die Schabkunst um, sondern auch viele von dessen Gelehrtenporträts aus späterer Zeit.
Wie Bause und wie bereits sein Vater sowie der mit diesem ungefähr gleichaltrige Augsburger Georg Christoph Kilian arbeitete Haid nach dem Prinzip der Serie. So setzte er seines Vaters Reihe von Künstlerbildnissen fort und schuf daneben von 1774 bis in die 1790er Jahre hinein eine 57 Blätter umfassende Folge von Gelehrtenbildnissen. Wie die Reihe Bauses enthielt diese Serie auch Dichter, die jedoch gegenüber Professoren und Geistlichen in der Minderheit waren. Gessner, Gellert, Weiße, Ernesti, Rabener und andere sind in beiden Serien vertreten, teils nach denselben Porträts gestochen. Ob allerdings auch Haid stets nach Originalen und nicht zuweilen nach Reproduktionsstichen gearbeitet hat, scheint zweifelhaft, obschon auch er mit dem Dresdener Meister befreundet war und mit ihm in Briefverkehr stand (2 Briefe von Haid an Graff, 19.9.1796, 29.10.1797, im Stadtarchiv Augsburg).
Da Haid in derselben Technik arbeitete wie sein Vater, fällt gegenüber dessen Werk die formale Reduktion umso deutlicher auf. Der ältere Haid hatte die Hintergründe seiner Schabstiche noch mit einem repräsentativen Apparat von Vorhängen und Bibliothekswänden ausgestattet und die Bildfelder mit einem schmuckvollen Rokokorahmen umgeben. Johann Elias Haid beschränkte sich auf den knappen Brustausschnitt in einer schlichten architektonischen Einfassung, in deren Sockelzone eine Schrifttafel zu sehen ist. Stets versah er die Schabstiche seiner Serie mit einem lateinischen Epigramm, worin die enge Verbindung zwischen dem Porträt und dem Wort fortbesteht und die traditionelle Porträtfunktion deutlich bleibt: die Ehrung und die Vorbildsetzung.

2013-01-28

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