Brandenburgisches Glas

Deckelpokal mit dem Brustbildnis Friedrich Wilhelms I.

Deckelpokal aus farblosem Glas, leicht ansteigender Fuß mit mattgeschnittenen, symmetrischen Laub- und Bandelwerkmotiven. Auf kleinem Nodus angesetzt ein massiver Baluster mit großer eingestochener Glasträne und unpoliertem Kugelfries, darüber eine kräftige Ringscheibe. Die hohe, becherförmige Kuppa ist mit dem feingeschnittenen Brustbildnis von Krönig Friedrich Wilhelm in Harnisch mit Perücke in einem Medaillon mit reichem Rahmen dekoriert. Die Gegenseite zeigt eine Ansicht Berlins in einem Querovalmedaillon, unten mit tiefgeschnittenem Fruchtbündel, Mündungsrand unverziert. Der Rand des Deckels mit seinem hohem Balusterknauf mit mattiertem Spitzblattkranz trägt einen vom Fuß abweichenden Dekor aus einer Bordüre in Mattschnitt. Er stammt auch aus Potsdam und passt in seinen Proportionen gut zum Pokal, gehörte jedoch ursprünglich zu einem anderen Glas. Den Glasrohling hat die Potsdamer Glashütte hergestellt. Der Glasschnitt dürfte, wie vergleichbare HFH-signierte Arbeiten mit großem Porträt und Stadtansichten beweisen, von dem Münz- und Glasschneider Heinrich Friedrich Halter stammen, der als Münzmeister in Magdeburg von 1698 bis 1719 nachweisbar ist (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 25,2+3). Dieses Porträt entspricht einem Halter monogrammierten Magdeburger 2/3 Taler von 1715 (vgl. Münzkabinett, SMB, Inv. Nr. 18240594; Schrötter, Das Preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert, 1902, Kat. 273). Die künstlerische Behandlung der Locken, des leicht nach oben gewendeten Profils sowie der Halspartie des Gewandes lassen darauf schließen, dass Silbermünze und Glaspokal von ein und demselben Künstler gearbeitet wurden. Da Halter bei einer Prägung von 1718 bereits ein verändertes Porträt des Königs mit Lorbeerkranz und Perücke verwendete, kann man für das Glas von einer Datierung um 1715 ausgehen. Das Berlin-Panorama geht auf einen von Johann Georg Wolfgang (1662–1744) nach einer Vorlage von Johann Friedrich Wentzel (1670–1729) radierten Comptoir Calender von 1708 zurück. Der Deckelpokal wurde von privat angekauft und befand sich davor in der Sammlung des Bremer Sammlers Dr. Otto Dettmers. Das Bildnis wurde anlässlich der Sotheby's Versteigerung der Dettmers-Sammlung im Jahr 1999 wurde fälschlicherweise August dem Starken zugeordnet, in der Stadtansicht deshalb Dresden vermutet. Der Pokal zeigt erste Anzeichen der Glaskrankheit (Stufe 2). [Susanne Evers, Verena Wasmuth]

(Object from: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Original entry)

Material /Technique ...

Glas, farblos, in Hilfsmodel geblasen, geformt, geschnitten, geschliffen

Measurements ...

Hauptmaß: Höhe, mit Deckel: 28.70 cm Höhe, ohne Deckel: 20.00 cm Durchmesser, ohne Deckel: 9.50 cm Durchmesser, mit Deckel: 11.50 cm

Hergestellt ...

... Who:

... When:1715-1718

... Where:Potsdam 

Hergestellt ...

... Who:

... When:1715-1718

... Where:Magdeburg 

[Person-Körperschaft-Bezug] ...

... Who:

Literatur ...

  • The Dettmers collection of European glass, Sotheby' Auktion, London 23.11.1999, S. 36, Los 51.
  • Sechs Sammler stellen aus. Gläser, Bronzestatuetten und -gefässe, Plaketten und Medaillen, Silberarbeiten, Schmuck, Intaglien, Kameen, orientalische Rollsiegel, Ausstellung, Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, 1961, Hamburg 1961, S. 141, Kat. 119.