Brandenburgisches Glas

Pokal mit Kinderbacchanten

Kelch aus farblosem Glas. Auf ansteigendem Tellerfuß mit verwärmtem Rand ein Spitzblattfries in versenktem Hochschnitt, Abriss verschliffen, Balusterschaft mit einzelner eingestochener Luftblase über zwei Nodi und dem gleichen Spitzblattdekor wie auch am Kuppaansatz, der Übergang strukturiert durch zwei getreppte Ringscheiben. Auf der Kuppawandung die geschnittene Darstellung eines Reigens von sechs Kinderbacchanten in dynamischer Bewegung mit umlaufendem Früchtefeston unter einem auskragenden Baum. Der Mündungsrand zeigt eine für die Potsdamer Manufaktur charakteristische Kugelborte. Die im Schaft eingeschlossene Luftblase ist eine Besonderheit der Barockgläser nach 1680. Mittels eines wassergetränkten Papierbauschs, der durch eine Kanüle in die Glasmasse eingeführt wurde, entstand ein Hohlraum mit Wasserdampf. Beim nochmaligen Erhitzen trocknete der Dampf, enthielt keine Tröpfchen mehr, und expandierte zur endgültigen Blasenform, die den Schaft bei Lichteinfall von innen funkeln ließ. Manche Schäfte tragen ganze Schwärme derartig eingestochener Bläschen. Das Motiv des Kinderreigens findet sich auf mehreren Gläsern der brandenburgisch-preußischen Hofglashütte vor ihrem Umzug nach Zechlin (vgl. Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 142, 150f.; Rückert, Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums, 1982, Kat. 813f., 816). Die gute Qualität des Schnitts macht eine Attribution an die Berliner Werkstatt des Elias Rosbach wahrscheinlich. Der Pokal wurde 1949 im Kunsthandel erworben. [Verena Wasmuth]

(Objekt aus: Stiftung Stadtmuseum Berlin Originaleintrag)

Material/Technik ...

Glas / in Hilfsmodel geblasen, geformt, geschliffen, geschnitten, poliert

Maße ...

Höhe: 21,4 cm; Durchmesser: 11,5 cm