Kanope, Krokodil und Königsstuhl: Globale Geschichten in brandenburgischen Museen.

Steigbügelgefäß der Moche-Kultur, Peru, 400-550 n. Chr. (Museum Schloss Lübben, Foto Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle)

Steigbügelgefäß der Moche-Kultur, Peru, 400-550 n. Chr. (Museum Schloss Lübben, Foto Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle)

EN

Die Ausstellung


Lokale Geschichte trägt immer auch Globalgeschichte in sich. Ob Naturgewalten, Innovationen oder Ideologien den Lauf der Welt verändern, die Auswirkungen sind oft bis in das kleinste Dorf zu spüren. Aber auch der im Lokalen geborene Wille die Welt zu entdecken, zu formen, sie zu beherrschen, verbindet das große Ganze mit dem Geschehen vor Ort. Zog es die Menschen aus persönlichen Motiven in die Ferne, so waren sie dennoch oft Teil der globalen Bewegungen ihrer Zeit.

Der europäische Kolonialismus war eine dieser weltverändernden Ideologien. Er bewog auch Menschen aus Brandenburg, die Heimat zu verlassen. Dinge aus aller Welt kamen im Gepäck der Reisenden zurück. Oder sie wurden von den Daheimgebliebenen gesammelt, inspiriert von Erzählungen und Bildern aus der Ferne. Diese Objekte fanden nicht selten den Weg in Museen.

Acht brandenburgische Museen haben sich zusammengetan, um in dieser Ausstellung die Geschichte ihrer "globalen Objekte" zu erzählen. Dies ist ein Novum, denn bisher blieben diese Objekte aus kolonialen Kontexten meist unbeachtet: weil ihre Geschichte ganz oder teilweise unbekannt ist oder weil ihre Deutung Schwierigkeiten macht.

Die Ausstellung zeigt Dinge und Lebensgeschichten, deren Erforschung noch ganz am Anfang steht. Ausdrücklich wünschen wir uns Ihre Mitwirkung bei der Lösung noch offener Fragen!

Antike und Orient

Wilhelm Gentz, Markttag in Kairo, Motiv aus Deutscher Bilderbogen für Jung und Alt Nr. 65 - Aus dem Orient, 1868 (Museum Neuruppin, CC BY-NC-SA)

Die antiken Stätten im Mittelmeerraum und Vorderen Orient wecken im 19. Jahrhundert die Begeisterung der Europäer. Die Antike gilt als Wurzel des Abendlandes, ihre Hinterlassenschaften als Vorbild und Quell der westlichen Zivilisation. Seit der Renaissance gingen Söhne des Adels auf Bildungsreise durch die Mittelmeerländer und ins Heilige Land. Im 19. Jahrhundert folgte das Bildungsbürgertum. Eine Reise in den Orient bedeutete aber auch eine Reise in die Fremde, zu den faszinierenden Bauten alter Hochkulturen und den Schauplätzen der Bibel.

Der Orient war für Europa Sehnsuchtsort und Kontrapunkt zugleich. So wechselte der westliche Blick auf das Morgenland zwischen Faszination und Fremdheit. Die Europäer fühlten sich der arabischen Welt intellektuell und kulturell überlegen. Man sah sich als Überbringer einer höheren Zivilisation. In Brandenburg berichten darüber das Gut & Schloss Liebenberg, das Fürst-Pückler Museum Branitz und das Museum Neuruppin.

Karl von Hertefeld - Alexanderschlacht in Liebenberg

Die Ausgrabungen in der 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuv verschütteten römischen Stadt Pompeji bringen im Jahr 1831 ein großes Mosaik zutage. Darauf dargestellt ist eine Schlacht zwischen dem Makedonier Alexander dem Großen und dem persischen Großkönig Dareios III. Der sensationelle Fund befeuert in Europa die Begeisterung für die Antike. Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, lässt sich eine ergänzte Nachbildung als Fliesenbild anfertigen. Eine weitere Kopie erhält 1843 sein Vertrauter Karl Adolf Freiherr von und zu Hertefeld (1794-1867), Herr des nördlich von Berlin gelegenen Guts Liebenberg.

Die hier gezeigten Objekte befinden sich im Schloss & Gut Liebenberg.

Fliese aus der Kopie des Alexanderschlachtmosaiks (DKB STIFTUNG - Schloss & Gut Liebenberg, CC BY-NC-SA)

3a - Alexanderschlacht / Zitat

„Mitwelt und Nachwelt werden nicht hinreichen, solches Wunder der Kunst richtig zu kommentieren, und wir genötigt sein, nach aufklärender Betrachtung und Untersuchung, immer wieder zur einfachen, reinen Bewunderung zurückkehren.“

Johann Wolfgang v. Goethe über das Alexanderschlachtmosaik in seinem Brief an den Archäologen Wilhelm Johann Karl Zahn vom 6.3.1832

3b - Alexanderschlacht / Fliesenbild

Zwischen Orient und Okzident
Das Fliesenbild mit der Alexanderschlacht wird in Liebenberg zunächst als Fußbodenbelag und später als Wandschmuck genutzt. Mit seiner beeindruckenden Größe von 5,46 m x 2,86 m birgt die Schlachtenszene viele spannende Details. Klicken Sie auf die Rahmen oder fahren Sie mit der Maus darüber, um mehr zum Sieg Alexanders des Großen zu erfahren.

 

3c - Alexanderschlacht / Text

Das Fliesenbild im Waffensaal des Schlosses Liebenberg, um 1900, Fotografie (DKB STIFTUNG - Schloss & Gut Liebenberg, CC BY-NC-SA)

Repräsentativer Platz im Waffensaal
Um 1900 lässt der damalige Schlossherr Philipp Graf zu Eulenburg das Fliesenbild im Waffensaal des Schlosses anbringen. Hier diente es als repräsentativer Hingucker bei den zahlreichen Empfängen des Grafen. Zu den Gästen auf Liebenberg zählte auch oft Kaiser Wilhelm II.. Dieser zeigte seine Kopie des "Alexandermosaiks" in den Römischen Bädern im Park Sanssouci.

3d - Alexanderschlacht / Video

Für die Zukunft erhalten
In den 1950er Jahren kommt das Fliesenbild vom Waffensaal in das Obergeschoss von Schloss Liebenberg. Hier verbleibt es bis zum Jahr 2002. Dann wird es abgenommen, zerlegt und eingelagert. Erst 16 Jahre später wird Fliese um Fliese neu ausgelegt und das Bild für die Öffentlichkeit wieder erlebbar. Gleichzeitig beginnt die konservatorische Begutachtung und Restaurierung einzelner Fliesen im Fachbereich Konservierung und Restaurierung - Wandmalerei der Fachhochschule Potsdam.

Restauratorische Begutachtung des Fliesenbilds am Fachbereich Konservierung und Restaurierung - Wandmalerei der FH-Potsdam

 

Mit einem Klick auf die Objekte erhalten Sie mehr Informationen unter museum-digital.de.

Verknüpfte Objekte ...

Fliesenmosaik mit Schlachtszene aus dem Orient
(Schloss und Gut Liebenberg)

Das Kachel-Mosaik zeigt eine ergänzte Nachbildung des 1831 bei Ausgrabungen in Pompeji in der „Casa del Fauno“ (Haus des Fauns) gefundenen römischen Mosaiks, welches etwa 2300 Jahre ...

Waffensaal im Schloss Liebenberg
(Schloss und Gut Liebenberg)

Schlossherr Philipp Graf zu Eulenburg ließ das Fliesenbild mit der Alexanderschlacht um 1900 an der Wand des Waffensaales des Liebenberger Schlosses anbringen. Der Waffensaal war einer von ...

Fürst Pückler - Reiseberichte aus dem Orient

Hermann von Pückler-Muskau, Fotografie, um 1862 (Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, CC BY-NC-SA)

Vier Jahre nach der Entdeckung des Alexandermosaiks geht Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) auf Orientreise. Er ist im Ostmittelmeerraum, in Nordafrika und am Nil unterwegs. Wahre Bestseller sind seine Reiseberichte, die in Büchern und Tageszeitungen erscheinen. Seine Sicht auf Menschen in anderen Weltgegenden verbeitete sich dadurch unter den Zeitgenossen zu Hause. Aufmerksamkeit erlangt der Fürst auch durch seinen Ruf als Exzentriker, Frauenheld und Lebemann. Seine Selbstinszenierungen machen ihn zu einer der schillerndsten und bekanntesten Persönlichkeiten in Europa.

Die hier gezeigten Objekte zum Leben Fürst Pücklers befinden sich im Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

1a - Pückler / Karte


Reiseroute des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau (Abreise in Muskau 24. Mai 1834, Rückkehr nach Muskau 8. September 1840)

1b - Pückler / Zitat

"Beym Auspacken der Ägyptischen Kisten bitte ich sehr behutsam zu verfahren, da viele äußerst zerbrechliche Dinge darunter sind, deren Verderben zu bedauern seyn würde."

Hermann von Pückler-Muskau,
Brief an seine Frau Lucie aus Kairo, 26. September 1837

1c - Pückler / Objekt

Kisten voll Souvenirs
Fürst Pückler schickt während seiner Reise Kisten mit Kunst- und Kulturgut, ethnographischen Alltagsgegenständen, aber auch lebende und präparierte Tiere nach Hause. Mit den Souvenirs gestaltet er Zimmer in Schloss Muskau und später die Orienträume in seinem Alterssitz Schloss Branitz aus. Die Orientalika sind Statussymbole, die an den europäischen Herrscherhöfen schon länger eine verbreitete Erscheinung sind.

Vier Kanopen, Ägypten, 1000-500 v. Chr. (Erbengemeinschaft nach Fürst Pückler in Branitz bei der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Foto: Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle)

1d - Pückler / Fälschung

Opfertafel, Fälschung (?), wohl 19. Jh. (Erbengemeinschaft nach Fürst Pückler in Branitz bei der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Foto: Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

Eine Fälschung!?
Pückler listet in seinen Briefen die von ihm erworbenen Objekte auf. Dennoch bleiben ihre kulturhistorische Einordnung und die genauen Umstände ihrer Erwerbung zum Teil noch zu klären. Die hier gezeigte "Opfertafel" ist mit ihrer überladenden Symbolik und dem umlaufenden Text mit Phantasie-Hieroglyphen wohl eine Fälschung aus dem 19. Jahrhundert. Ob es sich bei dem Stück überhaupt um eine Reisemitbringsel Pücklers handelt, ist noch zu klären.

Verknüpfte Objekte ...

Fotografie des Hermann von Pückler-Muskau
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Die Fotografie wurde wahrscheinlich um 1862 in einem Cottbuser Fotostudio aufgenommen. Sie zeigt den fast 80jährigen Fürsten im orientalischem Gewand.

Vier Kanopen
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Als Kanopen bezeichnet man Gefäße, die Organe eines Toten aufnehmen und zu jeder ägyptischen Grabausstattung gehörten. Die Deckel symbolisieren die vier Söhne des Gottes Horus, die ...

Opfertafel (Fälschung)
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Fälschung einer Opfertafel mit Darstellung eines Ehepaars Arm in Arm, einem Skarabäus, einem Krokodil mit Menschenfigur und umlaufendem Phantasietext, teilweise mit Phantasiehieroglyphen.

Scheide eines Krummdolches
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Die Dolchscheide mit aufwendigem Rankendekor ist leicht gekrümmt. Die stark abgeknickte Spitze besitzt einen kleinen, sechsfach facettierten Knauf. Die Waffen aus der Sammlung von Fürst ...

Pferdekamm, beidseitig mit Koraninschriften
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Pferdekamm, beidseitig mit Koraninschriften: "Wahrlich, wir eröffnen Dir einen offenbaren Sieg" (Koran, 48. Sure, Vers 1); "Der Sieg ist nur durch Gott" (Koran, 8. Sure, Vers 10).

Architekturfragment mit Lotosknospe
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Ägyptisches Architekturfragment mit Relief, auf dem eine Lotosknospe dargestellt ist.

Tabourett mit Bein- und Perlmutteinlagen
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Kleiner syro-persischer Tisch mit Bein- und Perlmutteinlagen „alla Certosina“, vermutlich von Fürst Pückler in Bethlehem erworben.

Ushebti-Figur mit Hieroglyphen
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Eine Statuette in Gestalt einer Mumie. Dem Verstorbenen wurde für jedes Lebensjahr eine dieser Figuren ins Grab gelegt. Sie hatten die Aufgabe, an seiner Stelle Arbeiten im Jenseits zu ...

Taschenreisebuch mit Sprachübungen französisch-arabisch
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Fürst Pückler, der mit der französischen Sprache aufgewachsen war, führte während der nordarfikanischen Etappe seiner Reise ein kleines Lexikon, in dem er wichtige Wörter und Sätze ...

"Tempel zu Seboua"
(Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz)

Die aquarellierte Zeichnung stammt sehr wahrscheinlich von Fürst Pückler selbst. Abgebildet ist der Tempel von Seboua (heute: Wadi es-Seboua oder Wadi as-Subu), in der nubischen Wüste ...

1e - Pückler / Machbuba

Grab von Machbuba auf dem St. Jacobi Friedhof in Bad Muskau (Frank Vincentz, wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Das Mädchen Machbuba
Auf seiner Reise kauft Fürst Pückler mehrere Sklaven, darunter auch Kinder. Eines der Kinder ist das abessinische Mädchen Machbuba, das ihn zurück nach Europa begleitet. Unterwegs und auch literarisch instrumentalisiert der Fürst das Mädchen für seine oft kolonial anmutende Selbstdarstellung. Andererseits zeigen die Reiseberichte des Fürsten auch einen sehr differenzierten Blick auf die Menschen und die Gesellschaft des Orients. Ein bis heute diskutierter Zwiespalt. Das Leben und das Empfinden der Machbuba bleiben uns weitgehend verborgen. Sie stirbt 1840, einen Monat nach ihrer Ankunft in Muskau, an Tuberkulose. Ihr Grab ist dort noch heute auf dem St. Jacobi Friedhof zu sehen.

Wilhelm Gentz - Der gemalte Orient

Wilhelm Gentz in orientalischer Kleidung in der Alhambra in Granada (Spanien), Fotografie, 1847 (Museum Neuruppin, CC BY-NC-SA)

Die Orientbegeisterung des in Neuruppin geborenen Malers Wilhelm Gentz (1822-1890) beginnt 1847 in Andalusien. Hier besucht er die Alhambra und ist fasziniert von der „Blüte arabischer Architektur“. Später unternimmt Gentz mehrfach Reisen nach Ägypten, Palästina und Kleinasien. Seine Eindrücke künstlerisch verarbeitend, wird er zum führenden deutschen Vertreter der Orientmalerei.

Die hier gezeigten Objekte zum Leben von Wilhelm Gentz befinden sich im Museum Neuruppin

2a - Gentz / Zitat

„Ich für meinen Theil mache am liebsten originelle Motive“

Wilhelm Gentz, Brief an den Verleger Georg Ebers, 5. April 1878 

2b - Gentz / Prediger

Begegnung auf Augenhöhe
Die europäische Orientmalerei lieferte häufig Imaginationen und Klischees. Anders bei Gentz. Sein Leben und seine Arbeit zeugen von der Bemühung, fremde Kulturen zu verstehen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Seine Bilder von Landschaft, Alltag und Menschen vermitteln einen vielseitigen und authentischen Blick auf den Orient.

Wilhelm Gentz: Prediger in der Wüste, Ölgemälde, 1888 (private Leihgabe an das Museum Neuruppin, Foto: Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle)

2c - Gentz / Objekte

Metallkrug mit drei eingravierten arabischen Segenssprüchen und eine Frauenarmspange aus Ägypten, 19. Jahrhundert. (Museum Neuruppin, Ronka Oberhammer/Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

Vom Brand verschont
Auch Wilhelm Gentz schickt von seinen Reisen viele Orientalika nach Berlin. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Haus der Familie komplett aus. Nur wenige Stücke der Orientalika-Sammlung sind daher heute noch erhalten. Zwei davon kamen in das Museum Neuruppin.

2d - Gentz / Portrait

Wilhelm Gentz: Bildnis des Mohammed Farady, Ölgemälde, 1889 (Theodor-Fontane-Archiv, Foto: Ronka Oberhammer/Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

Einfühlsame Portraits
Wie Fürst Pückler brachte Wilhelm Gentz 1877 auch einen Menschen von seiner Reise mit. Der von ihm in Algerien gekaufte Mohammed Farady arbeitete als Diener in Gentz´ Haus. Kurz vor Ende seines Lebens hielt Gentz den Abessinier in einem einfühlsamen und ausdruckstarken Porträt als eigenständige Persönlichkeit fest. Auch andere Portraits, die Gentz gemalt hat, zeugen von einer sensiblen Wahrnehmung.

Verknüpfte Objekte ...

Wilhelm Gentz in der Alhambra
(Museum Neuruppin)

Wilhelm Gentz posiert hier in orientalischer Kleidung und mit wahrscheinlich historischen orientalischen Waffen. Bislang war man davon ausgegangen, dass das Fotostudio "Carzon et Senan" die ...

Portrait von Wilhelm Gentz
(Museum Neuruppin)

Das Portrait wurde von Ismael Wolfgang Christian Gentz, dem Sohn von Wilhelm Gentz, angefertigt.

"Prediger in der Wüste"
(Museum Neuruppin)

Vor einem Abendhimmel über der Sahara umringt eine Gruppe aufmerksamer Zuhörer einen greisen Prediger. Das Thema Glaubensvermittlung im Freien hat Gentz vielfach variiert.

Ägyptische Landschaft mit Serail (Palast)
(Museum Neuruppin)

Die Zeichnung zeigt eine Landschaft mit Palmen, in der Ferne dahinter ist ein Palast zu sehen. Im Vordergrund sind Umrisse eine Büffelherde und eines Hirten angedeutet.

Bildnis des Mohammed Farady
(Museum Neuruppin)

Wilhelm Gentz kam 1877 aus Algerien mit einem Abessinier zurück. Mohammed Farady arbeitete als Diener in Gentz´ Haus. Kurz vor Ende seines Lebens hielt Gentz den Abessinier in einem ...

Portrait einer jungen Frau
(Museum Neuruppin)

Portrait einer jungen Frau.

Deutscher Bilderbogen Nr. 65, Aus dem Orient
(Museum Neuruppin)

Deutscher Bilderbogen für Jung und Alt, Nr. 65, Aus dem Orient, mit den Motiven "Markttag in Kairo", "Ein Märchenerzähler in Bagdad" und "Wasserträger".

Bilderbogen, Nr. 158, Auf den Ruinen des alten Ägypten.
(Museum Neuruppin)

Deutscher Bilderbogen für Jung und Alt, Nr. 158, Auf den Ruinen des alten Ägypten. Die von Wilhelm Gentz gezeichneten Motive des Bilderbogen zeigen: oben, "In der thebaischen Wüste. ...

Bilderbogen, Nr. 17, Bilder aus der Wüste
(Museum Neuruppin)

Deutscher Bilderbogen für Jung und Alt, Nr. 17, Bilder aus der Wüste. Die von Wilhelm Gentz gezeichneten Motive des Bilderbogens zeigen: oben "Lager in der Wüste", mitte "Schiffbruch in ...

Metallkrug mit Gravur
(Museum Neuruppin)

Ein kleiner Metallkrug mit drei eingravierten arabischen Segenssprüchen. Der Henkel fehlt. Es handelt sich bei dem Gefäß um "Basarware". Der Herstellungsort des Krugs ist nicht mit ...

Armspange
(Museum Neuruppin)

Frauenarmspange aus Ägypten. Form und Muster geben die Zugehörigkeit und Stellung der Trägerin wieder und kennzeichnen die Zugehörigkeit zu einem Stamm oder Dorfverband.

Deutscher Kolonialismus

Angehörige der 'Deutschen Schutztruppe' in Kamerun beim Exercieren, Fotografie,  1900 (Wegemuseum Wusterhausen, CC BY-NC-SA)

Vergleichsweise spät wird Deutschland Kolonialmacht. Erste koloniale Initiativen hatte man noch privaten Wirtschaftsunternehmen überlassen. Als diese scheitern, übernimmt das Deutsche Kaiserreich die verstreuten Gebiete in Afrika, Asien und Ozeanien. In den Kolonien versuchen Militär und Beamte Verwaltungen nach deutschem Muster durchzusetzen. Ziel ist die wirtschaftliche Ausbeutung der Kolonien, aber auch globalstrategische Erwägungen bestimmen das Vorgehen.

In der deutschen Bevölkerung bleibt die Begeisterung für die kolonialen Bestrebungen gedämpft. Wirtschaftlich entwickeln sich die Kolonien zum Zuschussgeschäft für den Staat. Immer wieder kam es zu Widerstand und Aufständen gegen die Kolonialherren, die mit äußerster Brutalität reagieren. Mitgebrachte Dinge aus den Kolonien befinden sich in den Museen von Wusterhausen, Eberswalde und Falkensee.

Georg Ipscher - Oberstabsarzt in Kamerun

Georg Ipscher (rechts) mit Bekannten, Fotografie, 1930er Jahre, (Wegemuseum Wusterhausen, CC BY-NC-SA)

Kamerun wird 1884 deutsche Kolonie. Der Stabsarzt Dr. Georg Ipscher aus Wusterhausen ist hier von 1900 bis 1902 für die „Kaiserliche Schutztruppe für Kamerun" im Einsatz. Eine gute medizinische Versorgung macht es den Deutschen erst möglich, die von Malaria, Gelbfieber und Pocken geplagten Gebiete zu beherrschen. Nach seinem Einsatz in Kamerun bleibt Ipscher Arzt im deutschen Heer. Sein Nachlass gelangt nach 1990 an das Wegemuseum Wusterhausen.

Die hier gezeigten Objekte zum Leben von Georg Ipscher befinden sich im Wegemuseum Wusterhausen/Dosse.

4a - Ipscher / Zitat

"Für den Europäer ist das Klima nicht bekömmlich, da er einmal durch längeren Aufenthalt seine geistige Spannkraft und psychische Wider­standsfähigkeit verliert, anderseits in ausgiebigster Weise der Erkrankung an Malaria und ihrer Folgeerscheinung ausgesetzt ist."

Georg Ipscher im "General-Sanitätsbericht über die Kaiserliche Schutztruppe für Kamerun für das Berichtsjahr 1900/1901"

4b - Ipscher Afrikazimmer

"Afrika-Zimmer" in Wusterhausen
Im Nachlass von Georg Ipscher existiert ein Foto, das ein „Afrika-Zimmer“ in seinem Haus in Wusterhausen zeigt. Darauf sind zahlreiche Holzstatuen, Schemel, Waffen, Musikinstrumente und ethnographische Alltagsgegenstände erkennbar. Nur wenige dieser Objekte sind ins Wegemuseum Wusterhausen gelangt: ein hölzerner Hocker, eine Krokodilhaut und Fotografien.

Das 'Afrika-Zimmer' von Georg Ipscher in seinem Haus in Wusterhausen, Fotografie, vor 1935 (Wegemuseum Wusterhausen, CC BY-NC-SA))

4c - Ipscher / Objekte

Sitzen wie ein König
Dieser mit Georg Ipschers Namen und Rang versehene Holzsitz hat die Form, Verzierung und Größe eines Herrscherstuhles aus dem Kameruner Grasland. An dortigen königlichen Höfen waren solche Holzsitze ein Zeichen von Status und Würde und nur dem König oder seiner Mutter vorbehalten.

Holzsitz mit geschnitztem Namen und Rang Georg Ipschers, 1901-1902 (Wegemuseum Wusterhausen, Foto: Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

4d - Ipscher / Fotos

Frauen bei der Essenszubereitung, Kamerun, um 1900 (Wegemuseum Wusterhausen, CC BY-NC-SA)

"Schutzgebiet" Kamerun im Bild
Georg Ipscher bringt von seiner Reise viele Fotografien mit. Diese lässt er vor Ort anfertigen oder er erwirbt Erinnerungsbilder von einheimischen Fotografen. Die Aufnahmen zeigen vor allem den militärischen Aspekt der Kolonisierung Kameruns, aber auch die Lebensumstände im "Schutzgebiet". Die auch in Kamerun von den Deutschen ausgeübten Gewalttaten und Zwangsmaßnahmen bleiben undokumentiert. Ein von Georg Ipscher verfasster "Sanitätsbericht" lässt das verursachte Leid allerdings erahnen.

Verknüpfte Objekte ...

Fotografie "Meine Küche mit Boys"
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Aufschrift Rückseite: "Meine Küche mit Boys Koch & vorüberziehende Batarga-Weiber".

Frauen bei der Essenszubereitung
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Aufschrift auf der Rückseite: "Kribi: Frauen Kassada bereitend (Maniok)" Aus dem "General-Sanitätsbericht" von Georg Ipscher für die Jahre 1900/1901: "Die Verpflegung der farbigen ...

Kamerun: Expedition, Exercieren in Mandame
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Aus dem "General-Sanitätsbericht" von Georg Ipscher für die Jahre 1900/1901: "Die Kleidung der Farbigen besteht aus Kuki (Waffenrock und Hose), blauen Beinwickeln, Schuhe aus Segeltuch ...

Foto der Yaúnde-Ngutte-Jabossi-Expedition
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Aufschrift Rückseite: "Yaúnde-Ngutte-Jabossi-Expedition am 21.I.01 von Kamerun aufgebrochen". Das Foto zeigt Angehörige der Schutztruppe vor Beginn der Expedition. Das Foto wurde ...

Fotografie von drei Angehörigen der "Schutztruppe" und einer Frau
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Die Fotografie wurde mit Original-Unterschriften vermutlich der abgebildeten Personen versehen: "Yoseph Davies, ?, Jacob, [T]Homas Mendy".

Elfenbeinhändler
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Neben Elfenbein gehörten Kautschuk, Palmenöl, Kokos, Bananen und Erdnüsse zu den begehrten Handelsgütern. Diese wurden von den europäischen Händlern zumeist gegen billige ...

Foto mit Georg Ipscher
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Foto von Georg Ipscher (rechts) mit Bekannten, 1930er Jahre.

"Afrika-Zimmer" von Georg Ipscher
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

"Afrika-Zimmer" von Georg Ipscher in seinem Haus in Wusterhausen, wo er ab 1922 wohnte. Auf dem Bild ist ein Objekt zu sehen, das heute Teil der Sammlung des Wegemuseum Wusterhausen ist: ...

Holzsitz mit Schnitzereien
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Der hölzerne Sitz wurde für Georg Ipscher in Kamerun angefertigt. Er ist auf beiden Seiten mit Schnitzereien verziert. 1 Seite: Schriftzug STABSARZT Dr. IPSCHER.; 2 Seite: Darstellung ...

Nilkrokodil (Crocodylus niloticus)
(Wegemuseum Wusterhausen/Dosse)

Die Krokodilhaut ohne Kopf wurde vom Naturkundemuseum Potsdam bestimmt. Die Merkmale sprechen für das Nilkrokodil, Crocodilus niloticus (LAURENTI, 1768).

Paul Richard Berger - Soldat in Kiautschou

Das Deutsche Kaiserreich erzwingt 1898 einen Pachtvertrag mit dem chinesischen Kaiserreich über die Kiautschou-Bucht. Mit der nach Kiautschou entsandten Marinetruppe kommt auch der Soldat Richard Berger an die Ostküste Chinas. Er ist in der Hafenstadt Qingdao (während der deutschen Kolonialszeit Tsingtau) stationiert. Berger stammt ursprünglich aus dem sächsischen Großkorbetha, nach seiner Zeit in Tsingtau siedelt er sich in Falkensee nahe Berlin an. Koloniale Erinnerungsstücke aus dem Besitz seiner Familie gelangten nach 1990 an das dortige Museum.

Die hier gezeigten Objekte zum Leben von Paul Richard Berger befinden sich im Museum und Galerie Falkensee.

Plan vom Deutschen Schutzgebiet Kiautschou, 1907 (Museum und Galerie Falkensee, CC BY-NC-SA)

5a - Berger / Zitat

"Auf daß es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!" 

Aus der "Hunnenrede" Kaiser Wilhelm II. am 27. Juli 1900 in Bremerhaven anlässlich der Verabschiedung des deutschen Ostasiatischen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstandes in China.

5b - Berger / Erinnerungsblatt

Familienleben in der Kolonie
1904 wird Richard Berger Polizeiwachtmann in Tsingtau. Er heiratet die Deutsche Anna Heinrich, mit der er im europäischen Viertel Tsingtaus wohnt. Hier kommen auch ihre Kinder Curt und Elsa zur Welt. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs nimmt das Familienleben in der Kolonie ein abruptes Ende. Eine Invasion Japans droht. Anna Berger verlässt im August 1914 Tsingtau. Ihr Mann meldet sich zum "Landsturm". Richard Berger gerät im Januar 1915 in japanische Gefangenschaft, aus der erst fünf Jahre später nach Deutschland zurückkehrt.

Dieses Erinnerungsblatt deutscher Kriegsgefangener in Japan wurde an Anna Berger verschickt, Lithografie, 1919 (Museum und Galerie Falkensee, CC BY-NC-SA)

Verknüpfte Objekte ...

Landkarte des ehemaligen "Deutschen Schutzgebiets" Kiautschou
(Museum und Galerie Falkensee)

Der Plan zeigt das "Deutsche Schutzgebiet" Kiautschou an der Ostküste Chinas. Das Deutsche Kaiserreich hatte 1898 einen auf 99 Jahre angelegten Pachtvertrag mit dem Chinesischen ...

Erinnerungsblatt der deutschen Kriegsgefangenen in Japan, 1919
(Museum und Galerie Falkensee)

Das Erinnerungsblatt mit der Widmung: "Unseren Landsleuten in Ostasien widmen wir, die ehemalige Besatzung Tsingtaus, dies Erinnerungsblatt als Ausdruck innigen Dankes für die treue Hilfe ...

Kaiserliche Kriegsflagge (Reichskriegsflagge)
(Museum und Galerie Falkensee)

Diese Kaiserliche Kriegsflagge wurde ab 1903/1904 in dieser Variante in Deutsch-Ostafrika und später von offiziellen Stellen auch in Kiautschou verwendet.

Friedrich Hauser - Pflanzer in Neuguinea

Der in Mülheim an der Ruhr geborene Bernhard Friedrich Hauser (1878-1944) lebt 26 Jahre in der Kolonie "Deutsch-Neuguinea". Hier arbeitet er wohl vor allem als Pflanzer. Zurück in Deutschland versucht Hauser einen Neuanfang. Er erwirbt 1921 das Waldrestaurant Zainhammer in Eberswalde. Die Attraktion des Lokals ist ein "Kolonialzimmer" mit Mitbringseln aus der "Südsee", aber auch Gegenständen aus Afrika und Asien. Diese kauft Hauser wohl hinzu, denn eigene Reisen dorthin sind bisher nicht nachgewiesen.

Die hier gezeigten Objekte zum Leben von Friedrich Hauser befinden sich im Museum Eberswalde.

Pfeile, Lanzen und Speere meist ungeklärter Herkunft aus der Sammlung Hauser (Museum Eberswalde, Foto: Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

6a - Hauser / Zitat

"Empfehle mein neu ausgestattetes Tropenzimmer, eine Sammlung aus den Kolonien, zur Besichtigung. Fritz Hauser."

Anzeige in einer Eberswalder Tageszeitung aus dem Jahr 1928

6b - Hauser / Kolonialzimmer

Erfolglos trotz "Kolonialzimmer"
Mit seinem "Kolonialzimmer" will Hauser Gäste anlocken, denn die Faszination für fremde Tiere und Regionen ist in der Zeit des kolonialrevisionismus ungebrochen. Das mit Schulden belastete Restaurant kommt aber nie richtig in Schwung. 1939 muss Hauser verkaufen und zieht in das nahe gelegene Finowfurt. Hier stirbt er 1944.

Das Restaurant Zainhammer in Eberswalde im Jahr 1930, Postkarte (Sammlung Christina Wühle, Eberswalde, RR-F)

6c - Hauser / Objekte

Liste mit Lücken
Nach dem Scheitern seines Restaurants schenkt Friedrich Hauser 1939 seine Sammlung der Stadt Finow. Die Übergabeliste mit 325 Nummern und rund 430 Stücken hat sich erhalten und führt zoologische Präparate, ethnographische Gegenstände, Waffen, Bilder und Fotos auf. Lediglich ein kleiner Rest der Sammlung kommt schließlich im Jahr 1960 an das Museum Eberswalde. Die Angaben auf der Liste von 1939 sind spärlich. Meist bleibt offen, woher die Objekte stammen, welche Funktion sie ursprünglich hatten und wie Friedrich Hauser sie erwarb. Fragen, die zukünftig noch zu klären sind.

Erstes Blatt der Schenkungsliste der Sammlung Hauser an die Stadt Finow, 1939 (Museum Eberswalde, CC BY-NC-SA)

Verknüpfte Objekte ...

Schenkungsliste der Sammlung Hauser, 1939
(Museum Eberswalde)

Im Jahr 1939 schenkte Friedrich Hauser seine Sammlung der Stadt Finow. In dieser Liste wurden die übergebenen Objekte aufgeführt. Gelistet sind 325 Nummern mit jeweils einer kurzen ...

Taktstock für Sing-Sing
(Museum Eberswalde)

Taktstock für rituellen Gesang und Tanz (Sing Sing) in Papua-Neuguinea, aus einem Stück gefertigt.

Bogen mit Sehne
(Museum Eberswalde)

Die genaue Herkunft des Bogens mit Sehne ist nicht bekannt.

Bogen mit Darmsehne
(Museum Eberswalde)

Der Bogen stammt ursprünglich aus Süd-Neuguinea. Die Art der Erwerbung durch Friedrich Hauser ist bisher unbekannt.

Gehäuse einer Großen Fechterschnecke
(Museum Eberswalde)

Das Gehäuse stammt von einer karibischen Meeresschneckenart, einer Großen Fechterschnecke (oder auch Riesen-Flügelschnecke), Lobatus gigas, Strombus gigas (L., 1758). Nicht alle Objekte ...

Rückenpanzer einer Suppenschildkröte
(Museum Eberswalde)

Es handelt sich um den Rückenpanzer einer Grünen Meeresschildkröte = Suppenschildkröte, Chelonia mydas (LINNAEUS, 1758). Diese Schildkrötenart kommt in allen tropischen und ...

Schlangenhaut des Felsenpythons
(Museum Eberswalde)

Schlangenhaut des südlichen Felsenpythons, Python natalensis (SMITH, 1840). Das Verbreitungsgebiet dieser Schlangenart umfasst Zentral- bis Südafrika.

Rostra zweier Sägerochen
(Museum Eberswalde)

Zwei gezahnte Schnauzen von Spitzkopf-Sägerochen, Anoxypristis cuspidata (LATHAM, 1794), die auch vor der Küste Neu-Guineas leben.

Kürbiskalebasse mit Dekor
(Museum Eberswalde)

Die Kürbiskalebasse mit Dekor stammt von den Hermit-Inseln (Inselgruppe nördlich von Neuguinea). Die Kürbisse wurden vor Ort angebaut oder von den nahe gelegenen Admiralitäts-Inseln ...

Verschiedene Wurf- und Stoßwaffen
(Museum Eberswalde)

Die Speere mit Metallspitzen könnten aus Afrika (Kamerun?) stammen. Für die Holzspeere dagegen ist eine Herkunft aus dem Gebiet von Papua-Neuguinea durchaus möglich. Sie waren bei ...

Postkarte Waldrestaurant Zainhammer, 1930
(Museum Eberswalde)

Das Restaurant Zainhammer in Eberwalde im Jahr 1930. Bei den beiden Personen vor dem Treppeneingang könnte es sich um Friedrich und Clara Hauser handeln. Teil des Restaurants war ein ...

Zeitungsanzeige für ein Kaffee-Konzert
(Museum Eberswalde)

Mit dieser Zeitungsanzeige warb Friedrich Hauser für ein Kaffee-Konzert in seinem Waldrestaurant Zainhammer. Dabei weist er auch auf das "neu ausgestattete Tropenzimmer" hin, in dem "eine ...

Postkolonialismus

Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg verliert Deutschland alle seine Kolonien. Andere europäische Staaten behalten ihre Besitzungen noch bis in die 1960 und 1970er Jahre hinein, bevor Unabhängigkeitswille und Revolutionen obsiegen. Die Kolonialzeit hatte den betroffenen Regionen massive soziale, politische und ökonomische Umwälzungen gebracht. Die von den Kolonialherren aufgezwungenen Strukturen und Anschauungen prägen die nun eigenständigen Länder bis heute. In Brandenburg berichten Sammlungen aus dem Museum Schloss Lübben und dem Naturkundemuseum Potsdam vom Postkolonialismus. 

Auf der Generalversammlung der Sumu-Organisation ANCS (National Association of Sumu Communities) im Jahr 1980, Fotografie (Museum Schloss Lübben, CC BY-NC-SA)

Götz von Houwald - Diplomat in Mittelamerika

Der in Lübben aufgewachsene Diplomat Götz von Houwald (1913-2001) ist seit den 1950er Jahren für die Bundesrepublik Deutschland in Mittel- und Südamerika tätig. Er arbeitet unter anderem in Peru und Nicaragua, die bis in die 1820er Jahre spanische Kolonien waren. Der Ankauf von Keramiken aus archäologischen Fundzusammenhängen, oft auch aus Raubgrabungen, ist ein beliebtes Hobby bei Diplomaten und Lehrern an deutschen Auslandsschulen. Eine Praxis, die Züge kolonialen Selbstverständnisses trägt. Auch Götz von Houwald ist ein leidenschaftlicher Sammler präkolumbianischer Kunst.

Die hier gezeigten Objekte zum Leben von Götz von Houwald befinden sich im Museum Schloss Lübben.

Götz von Houwald mit Teilen seiner Sammlung, Fotografie (Museum Schloss Lübben, CC BY-NC-SA)

 

 

7a - Houwald / Objekte

Nasca-Becher mit fünf sogenannten Regenzwergen, 400 n.Chr. (Museum Schloss Lübben, Leihgabe aus dem Besitz des Dr. Götz-Dieter Freiherr von Houwald, Foto: Ronka Oberhammer/Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

Regenzwerge in der Niederlausitz
Götz von Houwald trägt über 750 Objekte zusammen, die zum großen Teil aus Zentralamerika, aber auch, wie dieser farbenprächtige Nasca-Becher, aus Südamerika stammen. Später beginnt er die moralische Unrechtmäßigkeit seiner Sammlungstätigkeit zu reflektieren. Aufgrund seiner familiären Verbindungen in die Niederlausitz vermacht er einen Teil der Sammlung dem Museum Schloss Lübben. Zu manchen Objekten fehlt noch eine genaue Ansprache, gerne nehmen wir hier Anregungen entgegen.

Verknüpfte Objekte ...

Becher mit fünf sogenannten Regenzwergen
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Um 300 v.Chr. entwickelt sich an der Südküste Perus die Nasca-Kultur. Sie ist besonders für ihre farbenprächtige Keramik bekannt. Die Malerei auf diesem Becher zeigt fünf ...

Nazca-Teller mit Fischdarstellung
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Ein tiefer Keramikteller mit Innendekor. Auf dem rötlich-braunem Grund befindet sich eine mehrfarbige Darstellung zweier breiter Fische (Thunfisch?). Der Innenrand des Tellers ist mit ...

Steigbügelgefäß (sitzender Mann)
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Die an der Nordküste Perus im ersten Jahrhundert n. Chr. entstandene Moche-Kultur hinterließ viele Keramiken. Dieses mehrfarbig bemalte Steigbügelgefäß hat die Form eines sitzenden ...

Steigbügel-Gefäß mit sitzendem Krieger
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Das Keramikgefäß besitzt einen steigbügelförmigem Ausguss und Griff. Darauf sitzt eine Figur im Schneidersitz in Kriegerausrüstung mit Nasen- und Ohrschmuck.

Steigbügelgefäß umlaufend bemalt
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Bauchiges Steigbügelgefäß mit gemalter umlaufender Szene aufmarschierender Krieger.

Papagayo-Schale
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Ein Keramikgefäß in Form einer Schildkröte, die eine Schale trägt. Hellgrundige Keramik mit rot/oranger Bemalung in schwarzer Umrandung. Im Schalenboden befindet sich eine mythische ...

Becher mit anthropomorpher Figur
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Mehrfarbiger Becher mit plastischer figürlicher Darstellung.

Miniaturgefäß mit farbigen Streifen
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Ein Miniaturgefäß mit mehrfarbigem vertikalem und horizontalem Streifenmuster.

Miniaturgefäß mit Gesichtsdarstellung
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Ein kugeliges Miniaturgefäß mit zwei Gesichtsdarstellungen. Es handelt sich um sogenannte Black Ware Keramik.

Deckel eines Räuchergefäßes
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Der Deckel eines Räuchergefäßes hat die Form eines chamäleonartigen, mythischen Wesens.

Okarina mit Tiermotiv
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Eine Gefäßflöte (Okarina) aus Keramik in Tiergestalt (Vogel?).

Generalversammlung der Sumu-Organisation ANCS 1980
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Generalversammlung der Sumu-Organisation ANCS im Jahr 1980.

7b - Houwald / Zitat

„Es gibt Wortbildungen von dichterischer Schönheit, wie "yalawas" = Sternwasser, für Tau, jenen Tau, der in der Morgenkühle sich auf den Gräsern niederschlägt und dessen einzelne Tropfen bei den ersten Sonnenstrahlen wie Sterne glitzern.“

G.v. Houwald, aus seinem Buch "Mündliche Überlieferungen der Sumu-Indianer" 1984

7c - Houwald / Mayangna

Unterstützung für die Mayangna
Nach seiner Pensionierung 1975 setzt sich Götz von Houwald für die Mayangna in Nicaragua ein. Die im Norden des Landes lebende indigene Bevölkerungsgruppe gerät während der sandinistischen Revolution in Bedrängnis. Von Houwald gründet eine Stiftung zur Unterstützung der Mayangna und engagiert sich besonders für die Dokumentation ihrer Sprache. Zahlreiche Tonbandaufnahmen von mündlichen Überlieferungen gehören zum Nachlass Götz von Houwalds im Lübbener Museum. Die Aufnahmen sollen zukünftigen Projekten zugänglich gemacht werden, die sich der Digitalisierung indigener Sprachen widmen und diese den heutigen Sprechern und Erben dieser Kulturen zugänglich machen.

Wandbehang aus dem Mayangna-Dorf Musawas (Museum Schloss Lübben, Leihgabe aus dem Besitz des Dr. Götz-Dieter Freiherr von Houwald, Foto: Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

7d - Houwald / Töne

Sumu auf Tonband

Lied mit dem Titel "Schönes Mädchen" in Sumu, der Sprache der Mayangna.

Originaler Kommentar von Götz von Houwald zu dem Lied "Schönes Mädchen".

Revolutionslied. Das Lied wurde während der sandinistischen Revolution im Frühjahr 1981 aufgenommen.

Originaler Kommentar von Götz von Houwald zum Revolutionslied.

 

Drei Musiker der Mayangna während Tonaufnahmen, Nicaragua, um 1980 (Museum Schloss Lübben, CC BY-NC-SA)

Verknüpfte Objekte ...

Wandbehang aus dem Mayangna-Dorf Musawás
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Der Wandbehang stammt aus dem Mayangna-Dorf Musawas im Norden Nicaraguas am Fluss Waspuk. Es ist eine Anlegestelle mit einem Boot dargestellt. Das traditionelle Haus liegt oberhalb des ...

Fotografie von Musawas
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Eine Fotografie des Dorfes Musawas am Rio Waspuk mit den traditionellen Häusern, von denen eines auch auf dem Wandbehang abgebildet ist.

Mayangna Musiker
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Vermutlich ist dieses Bild bei einer der Tonaufnahmen von Götz von Houwald entstanden. Auf dem Tisch hinter den drei Gitarristen ist ein kleines Aufnahmegerät zu sehen.

Lied "Schönes Mädchen"
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Ein Lied mit dem Titel "Schönes Mädchen" in Sumu, der Sprache der Mayangna.

Kommentar zum Lied "Schönes Mädchen"
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Originaler Kommentar von Götz von Houwald zu dem Mayangna-Lied "Schönes Mädchen". Das Lied ist in Sumu, der Sprache der Mayangna gesungen worden.

Revolutionslied
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Das Lied wurde während der sandinistischen Revolution im Frühjahr 1981 von Vertriebenen Mayangna in Frutipan (?) aufgenommen. Es handelt sich um einen revolutionären Text, der wohl über ...

Kommentar zum Revolutionslied
(Stadt- und Regionalmuseum Lübben)

Originaler Kommentar von Götz von Houwald zum Revolutionslied.

Werner Lamberz - DDR-Politiker in Kuba

Die Kubanische Geschichte erlebte viele Befreiungskämpfe: 1898 befreit von der spanischen Kolonialherrschaft, 1902 die formale Unabhängigkeit von der USA, 1934 die Souveränität und 1959 die Revolution Fidel Castros gegen die Batista-Diktatur. Den Genossen in der DDR ist der selbstbewusste kubanische Staat zunächst suspekt. Dennoch entwickeln sich enge politische und wirtschaftliche Beziehungen, die der DDR Zucker, Bananen und die wegen ihrer Faserigkeit berüchtigte "Kuba-Orange" einbringt. Aber auch ein Krokodil macht 1971 den Weg von der Karibik-Insel in die DDR.

Das hier gezeigte Krokodil-Präparat befindet sich im Naturkundemuseum Potsdam.

Präparat eines Kubakrokodils, um 1970 (Naturkundemuseum Potsdam, Foto: Ronka Oberhammer / Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

8a - Lamberz / Video

Castros Krokodil
Das Kuba-Krokodil ist ein Geschenk Fidel Castros an das Mitglied des Politbüros des ZK der SED Werner Lamberz. Lamberz ist ein Freund Castros und sein persönlicher Betreuer beim ersten Staatsbesuch des kubanischen Präsidenten 1972 in der DDR. Lange hat das Krokodil seinen Platz im Wintergarten der Familie Lamberz. Dann kommt es 2014 als Geschenk an das Naturkundemuseum Potsdam. Hier ist es ein Exot, der auch aus konservatorischer Sicht besondere Aufmerksamkeit bekommt.

Verknüpfte Objekte ...

Kubakrokodil
(Naturkundemuseum Potsdam)

In einer drei Meter langen Kiste gelangte dieses präparierte Krokodil 1971 von Kuba über Moskau nach Berlin, und anschließend in das Haus der Familie Lamberz nach Wandlitz. Es ist ein ...

Brandenburgische Museen

Der europäische Kolonialismus hat bis in kleinste Orte in der ganzen Welt hineingewirkt. Auch aus Brandenburg suchten Menschen ferne Länder auf. Sie brachten neue Dinge, Geschichten, Erfahrungen und Sichtweisen nach Hause. Ihr Kontakt mit der weiten Welt beeinflusste wiederum die heimatlichen Städte und Dörfer. Brandenburgische Museen erzählen von diesen Prägungen. Sie verbinden Orts- und Regionalgeschichte mit Globalgeschichte. Besuchen sie unsere Museen, um mehr darüber zu erfahren.

Informationen zu den Museen Brandenburgs halten wir für Sie auf der Website des Museumsverbandes Brandenburg bereit: www.museen-brandenburg.de

Viele weitere digitale Objekte und Geschichten aus brandenburgischen Museen sind auf dem Museumsportal museum-digital:Brandenburg zu entdecken.

Detailansicht des Gehäuses einer Großen Fechterschnecke, Museum Eberswalde (Foto: Ronka Oberhammer/Lorenz Kienzle, CC BY-NC-SA)

Impressum & Team

Die Ausstellung wird veröffentlicht vom

Museumsverband des Landes Brandenburg e.V.
Am Bassin 3
14467 Potsdam

gesetzlich vertreten durch Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin
Telefon: +49 331 23 27 912, Fax: +49 331 23 27 920
E-Mail: info@museen-brandenburg.de
www.museen-brandenburg.de

Die Ausstellung wurde mit dem Modul md/story erstellt und auf der Plattform museum-digital.de präsentiert.

Kooperationspartner: Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz-Cottbus (Dr. Simone Neuhäuser, Susann Harder), Museum Eberswalde (Birgit Klitzke, Doreen Pagel, Wolfgang Stohr), Museum und Galerie Falkensee (Gabriele Helbig, Bert Krüger), Schloss & Gut Liebenberg (Dr. Thomas Steller), Museum Schloss Lübben (Dr. des. Corinna Junker, Marianne Wenzel), Museum Neuruppin (Maja Peers-Oeljeschläger, Carola A. Zimmermann), Naturkundemuseum Potsdam (Dr. Jobst Pfaender, Dr. Dirk Berger, Christian Blumenstein, Nancy Armas Martinez), FH-Potsdam (Prof. Dr. Jan Raue, Janin Opel), Wegemuseum Wusterhausen/Dosse (Katharina-A. Zimmermann), museum-digital (Joshua Enslin)

Konzeption: Dr. Ulrike Kersting, Dr. Susanne Köstering, Arne Lindemann
Texte: Dr. Ulrike Kersting, Arne Lindemann
Redaktion: Dr. Susanne Köstering, Alexander Sachse, Lisa Gösel
Technische Umsetzung und Design: Joshua Enslin
Objektfotografie: Lorenz Kienzle und Ronka Oberhammer (soweit nicht anders angegeben)
Videoclips: Alexandra Pohlmeier

Für die Möglichkeit, Abbildung von Leihgaben an die beteiligten Museen zu zeigen, danken wir: dem Theodor Fontane Archiv Potsdam, der Erbengemeinschaft nach Fürst Pückler in Branitz; dem Familienverband der Grafen, Freiherrn und Herren von Houwald e.V., insbesondere Eberhard Freiherr von Houwald.

Für die Unterstützung bei den inhaltlichen Recherchen danken wir: Dr. Claudia Kalka (Ethnologin, Museumsverbund Nordfriesland), Dr. Miriam Kühn (Kuratorin, Museum für Islamische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz), Prof. Dr. Angelika Lohwasser (Institut für Ägyptologie und Koptologie, Universität Münster), Prof. Dr. Stephan Seidlmayer (Direktor der Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Instituts)

Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.